Wie wird ein Indikator eigentlich berechnet?

Auf Messen und Ausstellungen der Finanzwelt tummeln sich nicht nur allerlei interessante Redner und Referenten die offenbar kaum oder gar keine Verluste machen, sondern auch Zuhörer die die Weisheit suchen und glauben auf diesen Messen den berühmten Stein der Weisen finden können. Es gibt aber auch die seriösen Referenten, die unverblümt das sagen, was am Markt wichtig und richtig ist und keine Versprechungen machen, die nicht zu halten sind. Außerdem gibt es eine Gruppe von Anlegern, die es besser zu wissen glauben und mit diesem Wissen auch während des Vortrags nicht hinter dem Berg halten. Zum Glück sind diese nur selten anzutreffen und meist nach dem Vortrag schnell wieder verschwunden, weil sie sich der Diskussion mit dem Referenten nicht stellen wollen oder können.

Eine Anekdote zu diesem Thema will ich Ihnen heute erzählen.

Während eines Vortrags zur Technischen Analyse hat sich ein junger Mann gemeldet um die Frage zu stellen, wie ich bei der Berechnung meiner Indikatoren die Gaps berücksichtige. Wenn ich diese nicht herausrechnen würde, würde dies ja ein verzerrtes Bild bei der Indikatoren-Darstellung geben.

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Das Plenum war von der Diskussion nicht begeistert und einige Teilnehmer gaben einen entsprechend missmutigen Kommentar in Richtung des jungen Mannes.

Viel wichtiger ist die inhaltliche Aufarbeitung dieser Frage. Auf den ersten Blick mag es seine Berechtigung haben, nach einer Bereinigung der Notierungslücken zu fragen. Bei dem Gedanken, wie eine solche Bereinigung denn rechnerisch aussehen könnte wird aber schnell klar, dass die Frage in sich ihrer Grundlage entbehrt. Einmal davon abgesehen, dass die gängigen Chartanalyse-Tools selten eine solche Möglichkeit der Bereinigung zu Verfügung stellen ist es von der Konstruktion der üblichen Indikatoren nicht möglich, diese dahingehend zu verändern, dass die Gaps herausgerechnet werden.

Indikatoren werden nämlich in aller Regel auf Basis der Tages-/Wochen-/oder Monatsschlusskurse berechnet. Daher ist es irrelevant sich Gedanken über Notierungslücken zu machen, die ja bekanntlich kursfreie Zonen zwischen dem Hoch des Vortages und dem Tief des Folgetages oder umgekehrt darstellen. Indikatoren die auch die Verlaufskurse eines Tages berücksichtigen (solche sind selten genug anzutreffen) sind ebenfalls konstruktionsbedingt nicht von Notierungslücken abhängig, die von einem auf den anderen Tag/Woche oder Monat entstehen.

Etwas anderes ist es natürlich, wenn man intraday handelt. Da mit den gängigen Handelssystemen nicht rund um die Uhr gehandelt werden kann, enden die Notierungen und damit die Berechnung der Indikatoren, mit dem Handelsende des Anbieters. Beim Dollar findet z.B. der Handel nahezu rund um die Uhr statt. Wenn dann am nächsten Morgen der Handel, z.B. mit CFDs, wieder eröffnet wird, entsteht zwangsläufig ein Gap und die Indikatoren fangen an neu berechnet zu werden. Je nach Einstellung der Indikatoren weichen diese dann zwangsläufig von denen ab bei denen eine Handelsunterbrechung nicht stattgefunden hatte. Daher sollte man beim CFD-Handel entweder auf ein Engagement in den ersten Minuten verzichten, oder ein Chartprogramm nutzen, bei dem der Handel nicht unterbrochen war.

Somit dürfte die Frage hinlänglich beantwortet sein und bei künftigen ähnlichen Situationen (z.B. auf Messen) Ihnen lieber Leser keine Irritationen mehr hervorrufen.