Ich möchte gerne einen Dollar-Optionsschein kaufen

Es war die Zeit, als Optionsscheine gerade begonnen haben, die deutschen Anlegerdepots zu erobern. Optionsscheine versprachen einen hohen Gewinn, wenn man zur rechten Zeit auf die richtige Marktrichtung gesetzt hat. Der Hebel, der einem Optionsschein innewohnt, eröffnete die Möglichkeit, bei einem Anstieg des Basisinstruments (z.B. einer Aktie) um wenige Prozentpunkte das 10fache, oder in Extremfällen noch viel mehr aus der Bewegung herauszuholen.

Bei den exorbitanten Gewinnaussichten haben viele Anleger verdrängt, dass ein solcher Hebel nicht nur nach oben sondern eben auch nach unten wirkt. Aus diesem Grund kam es oft zu ruinösen Verlusten. Wenn nämlich die aus Anlegersicht falsche Richtung eingeschlagen wurde, war der Optionsschein schnell wertlos. Ein Durchhalten, wie bei einer Aktie, gibt es bei einem Optionsschein nicht. Der Effekt des Zeitwertverfalls sorgt nämlich dafür, dass der Optionsschein fällt, obwohl sich das Basisinstrument überhaupt nicht bewegt. Auch dieser Umstand wird häufig verkannt. Es kommt auch nicht selten vor, dass Anleger eine Empfehlung oder nur einen Bericht gelesen haben in dem Optionsscheine als lohnende Anlage beschrieben werden.

So kam es vor einigen Jahren vor, dass ein Anleger in eine Bank kam und nach einem Dollar-Optionsschein fragte, den er gerne erwerben würde. Auf die Frage des Beraters, ob er denn einen Call- oder einen Put-Optionsschein kaufen möchte – also auf steigende oder fallende Kurse spekulieren wolle – antwortete er: „Egal, Hauptsache auf den US-Dollar“.

Dieses Beispiel ist keineswegs erfunden sondern hat sich genau so zugetragen. Es zeigt, wie oberflächliches Wissen dazu führt, dass Kleinanleger per Saldo Geld in den Markt einzahlen. Auch bei heutigen Produkten werden ähnliche Fehler gemacht. Eine gefährliche Grundannahme kursiert auch bei den jetzt in Mode gekommenen ETFs.