Aktie oder Aktienanleihe, das ist hier die Frage !?

Ich stelle mir immer einmal wieder die Frage – auch weil neulich wieder ein virtueller Werbeflyer zu mir kam – ob es Sinn macht eine Aktienanleihe gegenüber einer Aktie zu bevorzugen. Deshalb mache ich heute eine Rechnung am Beispiel von E.ON auf. Keiner weiß, wie sich der Kurs von E.ON entwickelt. Bei einer Aktienanleihe bekomme ich eine schöne Verzinsung (zwischen 10-20% möglich). Läuft das Papier also seitwärts, habe ich immerhin durch den Zins eine Einnahme. Da eine Aktienanleihe nach oben gedeckelt ist, stellt sich bei der Auswahl des entsprechenden Papiers die Frage nach dem ‚richtigen‘ Basispreis. E.ON selbst notiert gerade bei rund 8 EUR. Nehme ich also eine Aktienanleihe am Geld (=Basispreis bei 8 EUR), aus dem Geld (=Basispreis deutlich höher als 8 EUR) oder im Geld (=Basispreis deutlich niedriger als 8 EUR) – oder soll ich vielleicht doch lieber direkt die Aktie kaufen ? Wer die Wahl hat…

Zunächst ein kleiner Exkurs zu Aktienanleihen: diese Papiere haben genauso viel mit Aktien zu tun, wie mit Anleihen – nämlich rein gar nichts. Dieser etwas irreführender Name steht letztlich für ein Zertifikat. Man investiert in ein von einem Emittenten herausgegebenes, künstliches Produkt. Mit dem Produkt verspricht der Emittent eine gewisse Leistung: Nachbildung eines zugrundeliegenden Wertpapiers – in meinem Falle E.ON – mit diversen Eigenschaften: am Ende einer definierten Laufzeit wird mein Einsatz zurück bezahlt, wenn der Preis des Wertpapiers über dem Basiswert liegt. Liegt er darunter erhalte ich meinen Einsatz anteilig zurück. Zusätzlich erhalte ich noch eine Zinszahlung für den Zeitraum in dem ich das Papier besessen habe. Relativ schwarz/weiß und eigentlich ein einfaches Produkt. Trotzdem ein Beispiel: kaufe ich eine Aktienanleihe für 1000 EUR mit einer Laufzeit bis Ende 2018 zu einem Basispreis von 8 EUR und 8% (die Zahlen sind rein fiktiv), erhalte ich am Ende des Jahres 1000 EUR + 80 EUR Zinsen, wenn E.ON über 8 EUR steht. Ist der Kurs geringer, sagen wir bei 6 EUR, bekomme ich 1000 EUR * 6/8 = 750 EUR + 80 EUR Zinsen. Ich bekomme meinen Einsatz also anteilig zurück. Oder anders: nach oben ist mein Gewinn auf die Zinszahlung beschränkt, nach unten nehme ich das komplette Risiko.

Jetzt können wir natürlich mit dem Basispreis spielen – und damit sind wir wieder bei der Überlegung: am Geld, im Geld oder aus dem Geld ? Also einen Basispreis am aktuellen Kurs, deutlich darunter oder deutlich darüber ? Und wie ‚fair‘ ist überhaupt die Bepreisung der Aktienanleihen ? Deren Kurse werden durch den Emittenten gestellt und unterliegen NICHT dem Angebot/Nachfrage-Prinzip der Börse. Natürlich werden die Emittenten die Bewegung des zugrundeliegenden Papiers nachbilden, aber trotzdem sollten wir immer im Hinterkopf behalten, wer eigentlich unsere Gegenpartei ist.

Nehmen wir drei Aktienanleihen gleicher Laufzeit (Jahresende 2018) und idealerweise gleichem Zinssatz. Eine Suche auf einem der gängigsten Börsenportale liefert folgende Papiere:

(1) am Geld:           Basispreis: 8 EUR, Laufzeitende 21.12.2018, Zinssatz: 13% – aktueller Preis 102,34 %
(2) im Geld:           Basispreis: 7 EUR, Laufzeitende 21.12.2018, Zinssatz: 11% – aktueller Preis 104,71 %
(3) aus dem Geld: Basispreis: 10 EUR, Laufzeitende 21.12.2018, Zinssatz: 12% – aktueller Preis 88,54 %

Zu beachten ist, dass der Zinssatz leicht unterschiedlich ist und leider keine Papiere mit einem Basispreis unter 7 EUR verfügbar sind. Außerdem sind die Papiere in Prozent notiert. Das ist üblich bei Anleihen und das Gegenteil von Stücknotizen wie bei Aktien. Der Preis ist also eine relative Angabe und bezieht sich auf einen Nennwert von 1000 EUR. Die Zinszahlung bezieht sich immer auf 100% und bei der Rückzahlung – sofern der Preis über dem Basiswert liegt – wird auch immer 100% ausbezahlt. Somit macht man in den ersten beiden Fällen einen Verlust von 2,34% bzw. 4,71% und könnte im letzten Fall einen Kursgewinn von ~11,5% erzielen. Bezogen auf ein Investment von 1000 EUR, also 23,40 EUR bzw. 47,10 EUR Verlust, oder 115 EUR Gewinn. Hört sich im ersten Moment ein wenig kompliziert an, wenn man aber mal seine Abrechnungen gesehen hat, versteht man es recht schnell.

Zurück zur Eingangsfrage: welches ist das ‚richtige‘ Papier ? Um das zu beantworten, unterstellen wir zum Jahresende drei Szenarien: E.ON notiert bei 7, 8 und 10 EUR. Werte darüber, darunter oder dazwischen sind nur Ausprägungen der nachfolgenden Rechnung. Außerdem unterstellen wir, dass für 1000 EUR Nennwert gekauft bzw. direkt die Aktien gekauft wird. Beim aktuellen Kurs von 8,13 EUR ergibt das 123 Aktien. In diesem Falle kommt noch die Dividendenzahlung hinzu. Nach aktuellen Planung wird E.ON pro Aktie 0,44 EUR auszahlen. Somit kommen nochmal 123 * 0,44 EUR = 54 EUR hinzu.

Die Kaufkosten sind:
Aktienanleihe (1): 1023 EUR
Aktienanleihe (2): 1047 EUR
Aktienanleihe (3): 885 EUR
Direktinvestment : 1000 EUR (123 Stück zum aktuellen Kurs von 8,13)

Die Laufzeit der Anleihen sind ab heute ca. 9 Monate – entsprechend ist die Zinszahlung anzupassen, denn diese bezieht sich auf 12 Monate. Somit erhalten wir nur 9/12 der Zinsen. Zur besseren Lesbarkeit sind die Nachkommastellen weggelassen.

Szenario A: E.ON steht am 21.12.2018 bei 7 EUR – damit ergeben sich folgende Rückzahlungen:

 RückzahlungZinsen/ Dividende (EUR)Summe (EUR)Gewinn (EUR)
Aktienanleihe (1)1000 EUR * 7/8 = 875 EUR1000 EUR * 13% * 9/12 = 97972- 51
Aktienanleihe (2)1000 EUR * 7/7 = 1000 EUR1000 EUR * 11% * 9/12 = 821082+ 35
Aktienanleihe (3)1000 EUR * 7/11 = 636 EUR 1000 EUR * 12% * 9/12 = 90726− 159
Direktinvest123 * 7 EUR = 861 EUR54915+ 85

Szenario B: E.ON steht am 21.12.2018 bei 8 EUR – damit ergeben sich folgende Rückzahlungen:

 RückzahlungZinsen/Dividende (EUR)Summe (EUR)Gewinn (EUR)
Aktienanleihe (1)1000 EUR * 8/8 = 1000 EUR1000 EUR * 13% * 9/12 = 971097+ 74
Aktienanleihe (2)1000 EUR * 8/7 = 1000 EUR*1000 EUR * 11% * 9/12 = 821082+ 35
Aktienanleihe (3)1000 EUR * 8/11 = 727 EUR 1000 EUR * 12% * 9/12 = 90817− 68
Direktinvest123 * 8 EUR = 984 EUR541038+ 38
* Wert auf Maximalbetrag von 1.000 EUR begrenzt

Szenario C: E.ON steht am 21.12.2018 bei 11 EUR – damit ergeben sich folgende Rückzahlungen:

 RückzahlungZinsen/ Dividende (EUR)Summe (EUR)Gewinn (EUR)
Aktienanleihe (1)1000 EUR * 11/8 = 1000 EUR*1000 EUR * 13% * 9/12 = 971097+ 74
Aktienanleihe (2)1000 EUR * 11/7 = 1000 EUR*1000 EUR * 11% * 9/12 = 821082+ 35
Aktienanleihe (3)1000 EUR * 11/11 = 1000 EUR 1000 EUR * 12% * 9/12 = 90817+ 205
Direktinvest123 * 11 EUR = 1353 EUR541407+ 407
* Wert auf Maximalbetrag von 1.000 EUR begrenzt

 

An diesem Einzelfallergebnis kann man nun viel interpretieren und weitere Vor- und Nachteile abwägen. Allgemein sieht man recht deutlich, den Nachteil einer Aktienanleihe – nämlich, dass der potentielle Gewinn nach oben gedeckelt ist. Das Risiko nach unten jedoch komplett getragen wird. Die Aktienanleihe ist aufgrund der Zinszahlung in leicht fallenden Märkten im Vorteil.

Der Vollständikeithalber muss noch erwähnt werden, dass die Ordergebühren noch fehlen und bei Aktienanleihen Stückzinsen zu zahlen sind.

Dieses Beispiel beruht natürlich darauf, dass die Aktienanleihe mit einem Cash-Settlement (also der Barauszahlung) ausgestattet ist. Es gibt allerdings auch eine Reihe von Aktienanleihen bei denen das Unterschreiten des Basispreises am Ende der Laufzeit zur Lieferung der Aktien führt. Solche Anleihen kauft man meist, wenn man ohnehin den Plan hatte die Aktie zu erwerben.

Letztlich muss jeder selbst entscheiden, welche Produkte er kauft und natürlich soll das keine Aufforderung sein, die Aktien oder eine Aktienanleihe zu kaufen 🙂